Einblick: Ein Tag als Landratskandidat

06.08.2020
Einer von vielen Terminen: Jens Gnisa bei der Mennoniten-Brüdergemeinde in Schieder
Einer von vielen Terminen: Jens Gnisa bei der Mennoniten-Brüdergemeinde in Schieder

Jens Gnisa ist in diesen Tagen viel gefordert. Der CDU-Landratskandidat führt einen Wahlkampf zwischen dem Beruf als Richter und Direktor des Amtsgerichtes Bielefeld, seiner Familie in Bad Meinberg, Terminen bei Vereinen, Initiativen, Glaubensgemeinschaften und Bürgern, sowie dem Dauerbrennerthema Corona.
In diesem Beitrag gibt er einen Einblick in einen Tag aus seinem Wahlkampf:

Als Richter hätte ich einen Anspruch darauf, für die Kommunalwahl am 13.09.2020 Sonderurlaub zu bekommen. Dies lehne ich jedoch ab. Denn das wäre aus meiner Sicht Wahlkampf auf Kosten der Steuerzahler. Also setze ich ab dem 11. August einen Teil meines Jahresurlaubs 2019 und den gesamten Urlaub 2020 ein, um im Wahlkampf für die Bürger da zu sein. Bis dahin bin ich ganz normal als Direktor des Amtsgerichts Bielefeld tätig. Wie sieht nun mein Tagesablauf aus? Dies schildere ich in folgendem typischen Beispiel:

Heute stehen für mich ganz normale Strafverhandlungen an. Normalerweise beginne ich um 9:00 Uhr. Doch manchmal kommt man an einem Tag mit der Sache nicht durch - etwa weil Zeugen fehlen. Dann setzt man die Verhandlung an einem anderen Tag fort. So heute. Ich muss deshalb um 8:30 Uhr mit dem Sitzungsdienst starten. Das heißt für mich 6:30 Uhr aufstehen und 7:20 Uhr das Haus verlassen - nicht ohne dass ich beim Frühstück etwa die sozialen Medien zumindest überflogen habe. Da ich Nachmittagstermine für die Wahl habe muss ich mit dem Auto nach Bielefeld fahren. Die Fahrzeit von 50 Minuten nutze ich, um mit meinem Team zu sprechen oder Termine vorzubereiten. Die Funklöcher auf der Strecke kenne ich mittlerweile genau.

Heute bin ich gut durchgekommen und um 8:15 Uhr im Gericht. In meiner Verwaltungsabteilung checke ich schnell Mails, erkundige mich bei meinem Mitarbeitern nach dem Sachstand verschiedener Dinge, lege dann die weiße Krawatte um und gehe zum Sitzungssaal. 8:30 Uhr bin ich da. Alle anderen auch. Es geht los. Die erste Sache schließt mit einem Urteil. So geht es ohne Pause weiter bis 12:30 Uhr. In dieser Zeit konnte ich 6 Verfahren abschließen. Ein beschleunigtes Verfahren habe ich zusätzlich übernommen, da die Kollegin Urlaub hat und die Sache innerhalb von 10 Tagen verhandelt werden muss. Der Angeklagte befindet sich in Haft. Normalerweise würde ich nach den Sitzungen mit Kollegen in die Kantine gehen. Das muss ich mir nun zumeist sparen.

Ich nutze eine kleine Pause in meinem Büro im 10. Obergeschoss um mich kurz auf Höhe der politischen Diskussion in Lippe zu bringen. Dann bereite ich die Verfahren nach. Dort, wo die Entscheidung rechtskraftig geworden ist, fertige ich die Urteile. Anschließend kümmere ich mich noch um die Terminierung einer Mediation, dann um Verwaltungsdinge. Die Einführung der elektronischen Akte in Zivilsachen steht bevor, es gibt Bürgerbeschwerden, die ich immer selbst sehen möchte, es geht um Gesundheitsmanagement und die Frage ob eine Abteilung entlastet werden muss. Ich führe Telefonate und Gespräche. Mein Büro verlasse ich heute - ohne Pause um 15:30 Uhr. Eine Akte, die ich mir in Ruhe anschauen will nehme ich mit.

Auf der Rückfahrt telefoniere ich erneut, kurz auch mit meiner Frau. Ich habe für sie die erfreuliche Nachricht, dass ich vor dem ersten Termin in Lippe noch 20 Minuten zu Hause vorbei schauen kann. Ich tanke etwas auf, wechsele ein paar Worte. Dann geht es wieder los. Als erster Termin steht der Besuch einer Mennonitischen Gemeinde in Schieder an. Der Besuch verläuft sehr harmonisch und freundlich. Ich lerne wieder viel über die Geschichte der Russlanddeutschen dazu. Anschließend suche ich eine Pflegeinrichtung auf. Hier ist alles sehr modern und macht einen guten Eindruck. Ich führe Gespräche über die Probleme der Pflege, treffe aber auf hochmotivierte Kräfte. Erneut bin ich positiv beeindruckt.

Um 20:00 Uhr bin ich mit dem CDU-Bürgermeisterkandidaten in Bad Salzuflen Dirk Tolkemitt, einer Anwohnerin und einem pensionierten Polizisten in Schötmar verabredet - auf der anderen Seite von Lippe also. Der Stadtteil hat sich nicht positiv entwickelt. Auf der Anfahrt kann ich erneut einen Stopp für 15 Min. zuhause machen. Dann geht es weiter. Wir werden durch den Stadtteil geführt, diskutieren die Probleme und Lösungsmöglichkeiten. Am Ende ist es 21:30 Uhr. An der Schlossstraße gibt es einen kleinen gemütlichen Anlaufpunkt mit Biertischen. Wir entschließen uns noch kurz Platz zu nehmen und den Tag ausklingen zu lassen.

Gegen 22:15 Uhr gehen wir auseinander. Um 23 Uhr bin ich wieder Zuhause. Meine Frau ist geduldig und hört mir noch etwas zu, aber es bleibt kaum noch Zeit die vielen Eindrücke des Tages mit ihr zu diskutieren. Am Ende fällt mir die Akte in meiner Tasche ein. Es ist nicht eilig - ich verschiebe sie aufs Wochenende und lege sie in mein Arbeitszimmer.

Das ist alles sehr anstrengend - aber ich bin hochmotiviert und erlebe jeden Tag viele neue Eindrücke. Aber ganz ehrlich. Die Doppelbelastung Job und Wahlkampf ist hart - ich bin froh, wenn ich mich ab dem 11.August voll auf den Wahlkampf konzentrieren kann.